Nach 5x Bike-Transalp für Reinhard und 4x Bike-Transalp für Frank.

Wollten wir diesmal mit dem Rennrad über die Alpen. Wie bisher immer im Massenlager - da kriegt man das authentische Transalp-Feeling! ;-)


1. Etappe: Angriff aus Block D

Oberammergau - Sölden 141km 2.453 Höhenmeter

Pässe: Ammersattel (1.096 m), Hahntennjoch (1.894 m)

Wunderbares Rennwetter, 550 Teams am Start. Wir stehen wegen unserer hohen Start-Nr. im letzten Startblock. Aber gut, auf 7 Etappen wird sich an der Position ja was ändern lassen. 859 km mit 16 Alpenpässen verteilt auf 7 Etappen liegen vor uns.

Punkt 10 Uhr wir das Rennen gestartet. Mit an die 50 km/h rast das Peleton los, es ist erstmal flach. Immer wieder stehen Auto am Rande der Strasse und verengen die an und für sich breite Straße. Ich höre mal einen Seitenspiegel splittern, die eine oder andere Rempelei im Peleton ist nicht zu vermeiden. Höchste Konzentration.

Nach 5-10km zieht sich das kompakte Feld auseinander und die Fahrer fahren eher wie Perlen an der Kette. Immer wieder lösen sich schnellere Gruppen, wir hängen uns dran und sind nach einer Stunde Fahrzeit, bis an das Spitzenfeld herangefahren. Nach 62km sind wir am Hahntenjoch jetzt geht es 800 Höhenmeter nur Bergauf.

Oben kommen wir in ein Gewitter. Für die Abfahrt brauchen wir die Regenjacken. Wir kommen richtig schnell runter, unsere Gegner sind doch recht verzagt auf der steilen regennassen Passtrasse. Das Gewitter ist vorbei, vor uns liegen noch 50 km nach Sölden, es geht konstant mit 3-4% bergauf, in den Spitzengruppen wird ein mörderisch hohes Tempo angeschlagen, für uns zu hoch, wir müssen abreisen lassen. Frank neigt zu krämpfen, beißt sich aber durch.

Nach 4 Std. 35min sind wir in Sölden. Platz 17 AK. Unser Ziel ist ereicht, morgen stehen wir im Startblock A


2. Etappe: Die Regenschlacht auf dem Dach der Tour Sölden - Brixen 124 km und 3.093 Höhenmeter

Pässes: Timmelsjoch (2.509 m), Jaufenpass (2.094 m)

Es regnet die ganze Nacht, das Timmelsjoch ist zugezogen. In Sölden auf 1300m hat es 7-8 Grad, oben am Timmelsjoch auf 2.510m sind 3-4 Grad vorhergesagt. Wir entscheiden uns für kurze Hose und kurzes Trikot, reiben die Beine und Arme mit Kälteschutzcreme ein und haben für die Abfahrt Gore-Tex Hose und Jacke sowie Helmmütze dabei. Über eine Stunde dauert der Kraftakt im Regen auf das Timmesljoch - nur die Abfahrt ist fast noch unangenehmer.

Die Fahrer sind total durchnäßt, es kommt noch ein schneidender Wind dazu. Wir ziehen unseren Regenschutz an und es geht im Nebel in die Abfahrt. Wenn es mal nicht regnet, sind wir im Tunnel, die sind alle nicht beleuchtet, die Fahrer um mich sind nicht zu sehen, man hört nur noch die Freiläufe surren.

Nach 30km abfahrt zittere ich am ganzen Körper - trotz Regenschutz. Später höre ich von Fahrern die ohne Regenschutz so unterkühlt waren, dass sie mit der Ambulanz ins Tal gebracht werden mußten.

Es regnet weiter, und wir müssen noch den Jaufenpass hoch, nochmal 1.200 Höhenmeter. Der ständige Regen zermürbt, von der genialen Bergwelt sehen wir nichts. In der Abfahrt vom Jaufenpass können wir wieder Plätze gut machen. Und ab Sterzing bei km 90 hört es endlich auf zu Regnen. Am Zielort Brixen scheint die Sonne.

Fahrzeit: 5 Std. 6 min Platz 24, 2 x Regenschutz an und 2 x Regenschutz aus hat 14min Zeit gekostet, wir verlieren unseren A-Block-Status und müssen in B für den nächsten Tag. Unsere Gegner haben sich bei den Abfahrten nur mit einer Regenjacke begnügt.


3. Etappe: Kletter-Etappe in den Dolomiten Brixen - St. Vigil: 91 km und 2.909 Höhenmeter

Pässe: Würzjoch (1.987m), Furkelpass (1.731m)

Morgens empfängt uns sonniges, angenehm kühles Wetter. Und wir sind in Italien. In Italien gibt es für Strassenrennen offizielle Straßensperrungen für einen Zeitspanne von 45min. Das Peleton wird umrahmt von 2 Fahrzeugen die Start und Ende des Radrennens anzeigen.

Dazu natürlich das Führungsfahrzeug des Renndirektors, jetzt kommen aber noch Polizei-Motorräder mit Blaulich zu den Motorrädern der Marshalls und den Motorrädern der Sanitäter dazu. Überall werden Straßensperren angezeigt und die Carabineri steht so ziemlich an jeder Kreuzung. Für die Fahrer des A und bis weit in den B-Block optimale Rennbedingungen und eine größere Sicherheit für das Peleton.

Heute stand eine vergleichweise kurze Etappe an, die aber mit dem Würzjoch und dem Furkelpass zwei der schwierigsten Berge der Tour beinhaltete. Mit dem Würzjoch stand ein Klotz der 1. Kategorie im Weg das mit Steigungen von 7-8% noch mit rundem Tritt zu fahren ist. Das Dolomitenpanorama am Würzjoch mit den Felstürmen der Geislerspitze und den Peitlerkofel ist einmalig.

Am Furkelpass ging für das Peleton aber das große Leiden los. Zwar nicht endlos Höhenmeter, aber immer wieder fiese Rampen mit 19% machten jeden Tritt zur Qual. Leistungschwächere Fahrer wurden hier überfordert und mußten Ihre Räder schieben. Auch ich mußte immer wieder kämpfen um an Frank dran zu bleiben, der stoisch ein Team nach dem anderen einkassierte.

Fahrzeit: 4 Std. 5 min, Platz 17 und damit für morgen wieder Startblock A.


4. Etappe: Dolomiten-Rundfahrt mit dem Weltmeister St. Vigil -Sexten (102 km, 3.128 Höhenmeter)

Pässe: Valparola (2.192 m, Falzarego 2.117 m, Tre Croci 1.809 m)

Luftlinie nur 23 km von St. Vigil entfernt fahren wir einen weiten Schlenker durch die schönste Dolomiten Landschaft bei absolutem Traumwetter, vorbei an der Cinque Torri, den Felsflanken der Tofana, bergab nach Cortina d`Ampezzo über den Passo Tre Croci zum Lago di Misurina mit Blick auf die berühmten 3 Zinnen.

Mit am Start war einige Rad-Prominenz, wie der frisch gebackene Mountain-Bike-Marathon-Weltmeister Paulissen und der Vize-Mountain-Bike-Euromeister Stauder, der Ex-Mountain-Bike Weltmeister Pallhuber sowie Fahrer aus der italienischen Nationalmannschaft. Mit 3:08 Std. konnte Hannes Pallhuber das interne Promi-Duell für sich entscheiden.

Nach 3 Std. 29 min ereichen wir Sexten. Platz 15 die Tagesausbeute.


5. Etappe: Die Königsetappe

Sexten - Falcade (130 km, 3.140 Höhenmeter)

Pässe: Kreuzbergpass (1.636 m), San Antonio (1.489 m) Cibiana (1.530 m), Staulanza (1.773 m)

Heute kam es für die Fahrer nochmal knüppeldick, 4 Pässe mußten bezwungen werden und noch eine Bergankunft in Falcade. Aber wir hatten gute Beine und wollten mal antesten wie frisch unsere unmittelbaren Konkurrenten noch waren. Auf den 4 Pässen wurde in den Anstiegen das Peleton aus Block A immer wieder zerrissen, das Mister Bike-Team konnte aber am Berg die Position halten und in den Abfahrten immer noch den einen oder anderen Platz gut machen.

Bis zur letzten Flachpassage hatten wir uns bis in die Gruppe vorgearbeitet, die von Podium-Fahrern dominiert wurde. Soweit vorne waren wir noch nie. In einer kurzen Abfahrt vor dem Anstieg zur Bergankunft schmierte einem Fahrer das Vorderrad in einer Rechtskurve weg. Eine Schrecksekunde - die Gruppe kam aber ohne Folgestürze vorbei.

Am Schlußanstieg attackierten die Spitzenfahrer noch einmal, wir wollten unsere letzten Kraftreserven nicht opfern und ließen abreißen. Die greifbare TOP 10 Plazierung war damit zwar weg, aber der Preis dafür wäre zu hoch gewesen.

Fahrzeit: 4:46 Std., Platz 12


6. Etappe: Die letzte Bergetappe

Falcade - Feltre (117 km, 2.638 Höhenmeter)

Pässe: Valles (2.031 m), Rolle ( 1.980 m), Cereda (1.361 m)

Es geht Richtung Po-Ebene. Sehr sympathisch auch das Höhenprofil, zwar müssen immer noch 2.638 m verteilt auf 3 Pässe erklommen werden, aber es geht 3.467 Höhenmeter berab.

Von Fascade geht es direkt 900 Höhenmeter den Passo Valles hoch, dann die Abfahrt Richtung Fleimstal um über den Passo Rolle in den Nationalpark der Belluneser Dolomiten einzufahren. Hier mal wieder unbeleuchtete, nasse Tunnel in denen es dauernd auf die Fahrer tropft. Wir fahren alle Windschatten und jeder hält den Lenker besonders fest, den in den Tunneln hat es gemeine Schlaglöcher die man im dunklen nicht sieht.

Ausserhalb des Tunnels wird bei einem Schlagloch dem Frank die Trinkflasche aus der schweißnassen Hand geschlagen. Für die nachfolgenden Fahrer eine Schrecksekunde, es passiert aber nichts.

Fahrzeit: 4:03 Std., Platz 15


7. Etappe: Im Peleton durch die Po-Ebene Feltre - Bibione (154 km, 497 HM)

Pässe: keine

Ein Novum in der Tour-Transalp-Geschichte eine Flachetappe zur Adria.

Noch ein letztes mal klingt AC/DC mit High-way-to-hell aus dem Boxen.

Das 60sec. ticken der Start-Uhr, Punkt 9.00 der Schuss aus der Start-Pistole und die verbleibenden 485 Teams fahren los. Dabei ist es den Fahren von dieser Etappe besonders mulmig. Hunderte von Fahrern auf engen Straßen, dicht gedrängt im Peleton, das riecht nach Massenstürzen.

 

Unsere Renntaktik ist einfach, auf keinen Fall den Kontakt zu den Fahrern im ersten Startblock zu verlieren. Das heißt auch keine Verpflegungsstopps. Wir schätzen die Fahrzeit auf über 4 Std., in der Po-Ebene ist der Backofen eingeschaltet. Temperaturen bis 36 Grad, da sind 1,5 ltr. Wasser am Rad wenig. Wir trinken nochmal vor dem Start, ich habe eine Noffall-Wasserfalsche im Trikot.

Das Rennen beginnt hektisch, jeder Fahrer sucht sich einen guten Platz im Peleton. Keiner will ganz nach vorne und keiner ganz hinten fahren.

Jede Engstelle zieht das Feld auseinander und reißt kurze Löcher die wieder zugesprintet werden müssen. Es ist höchste Konzentration erforderlich, in der ersten Stunde ist es nicht möglich auch nur 1x an die Wasserflasche zu greifen ohne einen Sturz zu provozieren. Bei km 30 ein kleiner Berg, vorne wird attackiert, das Peleton zerreißt, und wir haben die Spitzengruppe verloren. Jetzt folgen 10 km verzweifelter Kampf um wieder Anschluss zu finden.

Der Tacho zeigt permanent über 45 km/h, die kleine Gruppe versucht durch wechselnde Führungsarbeit wieder aufzuschließen. Irgendwann, gerade als uns die Kräfte verlassen wollen, sind wir wieder am Peleton dran.

Bei Km 70 kommt es in einem Kreisverkehr zu dem lange befürchteten Massensturz. Wie eine Welle drücken mich die stürzenden Fahrer auf die Innenbahn des Kreisverkehrs an die Leitplanke. Gerade als ich die Kontrolle über das Rad verliere, kann ich mich an der Leitplanke festhalten und abstossen - nochmal davon gekommen, Frank wurde nicht in den Massensturz verwickelt - wir legen die "große Scheibe" auf und fahren wieder an die Spitzengruppen ran.

 

Nach 3:50 Std. sind wir am Mittelmeer, dehydriert aber glücklich, wir rollen als 6. Team in unserer Wertung über die Ziellinie in Bibione.