Reinhard Schäffer beim Drei Länder Giro in Nauders

 

1 Rennen, 4 Pässe, 168 km, 3.300 Höhenmeter:

Nach der Anreise am Vortag, morgens wecken um 4:45, Radlerfrühstück 5.00, das ganze Hotel war mit Giro-Teilnehmern voll. 6:00 Startaufstellung, Start 6:30.

Mit sanfter Steigung noch die 150 Höhenmeter hoch zum Pass, auf der Hochebene am Reschensee fährt das Peleton mit über 50 km/h. In rasanter Abfahrt stürzen sich 3.000 Fahrer den Reschenpass nach Mals runter.

Dann kommt einer der längsten und höchsten Passstraßen Europas, das Stilfserjoch mit einer Passhöhe von 3.780m ü.M. 1.800 Höhenmeter am Stück auf unzähligen Kehren gilt es bis zur Passhöhe zu überwinden. Im Tal blühen die Apfelbäume und wenn man hochschaut leuchtet oben der Gletscher weiss.

Ich fahre immer so 3-4 Schläge unter der individuellen anaeroben Schwelle, es wird zunehmend heißer. Um mich zu motivieren, will ich das Stilfser-Joch so hochfahren, dass mich kein Fahrer überholt. 3-4 Fahrer schaffen es doch. Die Abfahrt ist ein Genuss bis zum Umbrail-Pass.

Die nicht asphaltierten Streckenabschnitte der Umbrail-Pass-Abfahrt, die ich von der Bike-Transalp-Challenge her kenne, fährt sich mit dem Mountain-Bike erheblich angenehmer, als mit dem Rennrad. Die schmalen Rennradreifen hüpfen und schlagen in der Abfahrt, jetzt keine Reifenpanne, aber die Abfahrt ist ein gute Gelegenheit ein paar Fahrer mit weniger Mountain-Bike-Routine als ich sie habe zu überholen.

Mit dem Umbrail-Pass haben wir Italien verlassen und fahren durch die grandiose Landschaft des Schweizer Nationalparks. Die 800 Höhenmeter des Ofenpasses tun nochmal richtig weh. Der Ofenpass ist steiler als das Stilfser-Joch und man hat schon viel Kraft am Stilfser-Joch gelassen.

Die Temperaturen liegen bei über 30 Grad. Nach einer relative leichten Abfahrt kommen wir ins Engadin. Zwischenzeitlich haben sich wieder Gruppen von 20-30 Fahrern gebildet.

Und ich kann mit 40-50 km/h so dahin rollen. Aber es kündigen sich Krämpfe an. Meine Trinkflaschen sind voll und ich leere in mich rein was geht, ohne dass der Magen rebelliert.

Auf den kurzen Abfahrten kann ich im Windschatten meine Beine lockern. Und so schnell fährt die Gruppe auch nicht mehr. Die Streckenlänge und die Hitze im Engadin haben die Fahrer angezählt. In Scuol lasse ich eine Verpflegungsstelle aus, die Gruppe arbeitet zu gut, ich will nicht alleine im Wind stehen.

Das ist an so einem heißen Tag natürlich ein Risiko. Ich hoffe mit einer halbvollen Trinkflasche noch bis an den Anstieg zum Reschenpass zu kommen.

Am Reschenpass bin ich seit einer halben Stunde trocken. Ich muss anhalten. Die Gruppe fährt weiter - wie machen die das? kennen die keinen Durst? - 10sec Stop um die Flasche auffüllen. Die Gruppe ist weg.

2-3 Fahrer kriege ich noch, aber die stärksten geben nochmal richtig Gas. Platz 68 bei 929 Fahrern in meiner Alterklasse ist okay. Viel gesehen habe ich von der Strecke allerdings nicht, aber die landschaftlichen Reize habe ich vor 2-3 Jahren ja schon auf einer Cabrio-Tour genossen.

Das Schöne war auch dass man die Pass-Klassiker im Rahmen so eines Rennen auch fast ohne Belästigung durch Autos und Motorradfahrer erleben kann. Alleine dafür lohnt sich schon ein Start.